Gruppenpsychotherapie

Was tun wir in der Gruppenpsychotherapie?

 

Die Zugehörigkeit zu einer oder mehreren Gruppen (z.B. Familie, Sportverein, Schulklasse, Peer group) kann im allgemeinen Leben im positiven Fall Sicherheit und Zugehörigkeitsgefühl bieten. Allerdings kommt es in oben genannten Gruppen immer wieder zu Konflikten unter den einzelnen Gruppenmitgliedern, die besonders den Aspekt der Beziehung und den Aspekt der Beziehungsgestaltung berühren. Die erheblichen Spannungen, die daraus entstehen, können die Sicherheit und das Dazugehörigkeitsgefühl zur umgebenden Gruppe ins Wanken geraten lassen und krankheitswertige Symptome hervorrufen. In der Gruppenpsychotherapie können belastende Erfahrungen oder Symptome mit Krankheitswert (z.B. Essstörungen, Angststörungen, Depressionen) gemeinsam besser durchgestanden werden. In der Gruppenpsychotherapie sprechen wir in erster Linie über Beziehungen und über die Art und Weise, wie diese Beziehungen gestaltet werden. Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander, Beziehungen zu wichtigen Menschen außerhalb und Beziehung zu sich selbst. Häufig werden von den einzelnen Gruppenmitgliedern die eigene Beziehungsideen und -erfahrungen in der Gruppe in "Szene" gesetzt und dabei zugleich, jedenfalls ist es das Ziel, neue Erfahrungen gemacht. 

 

Zum Beispiel: X möchte etwas erzählen und Y redet dazwischen, ein Klassiker einer Gruppenszene. Jetzt erhalten wir hier in der Gruppenpsychotherapie die Möglichkeit zu schauen, warum Y nicht zuhören kann, warum X unter Umständen das Zuhören gar nicht einfordert oder gar den Störer durch beispielsweise zu leises Sprechen zum Stören ermuntert. 

 

Ein weiteres Beispiel: Wir spielen ein gewöhnliches Gesellschaftsspiel und A würfelt immer für B mit, entmündigt B und setzt dann in großer Fürsorglichkeit auch noch das Männchen für B über das Spielbrett. Was bewegt A, sich in B` s Spielhandlungen einzumischen, was ist mit B los, dass sie oder er sich das gefallen lässt. Wo gibt es Parallelen zum Leben "draußen"? Wir erleben also mit, was andere erleben. Dies führt dazu, dass sich die Gruppenmitglieder untereinander beeinflussen. Daran sind auch die Spiegelneuronen beteiligt. Die Spiegelneuronen unseres Gehirns sind daran beteiligt, dass wir mitleiden, wenn sich jemand verletzt oder beschämt wird. Wir fühlen quasi das Gleiche, wie derjenige, den es betrifft. Es ist unser eigenes Erleben, das zu der Fähigkeit führt, andere Menschen zu verstehen. Diese Fähigkeit muss erst im Laufe des Lebens erworben werden und gruppenpsychotherapeutische Angebote können dabei helfen, diese Fähigkeit zu entwickeln. Dabei wird die Selbst- und Fremdwahrnehmung gestärkt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entwicklungspsychologische Aspekte

 

Von frühester Kindheit an prägen vielfältige Gruppenerfahrungen und Einflüsse von Gruppen unser soziales Leben und Lernen. Die kleine Familie bestehend aus Mutter /Vater /Kind oder bestehend aus Mutter / Großmutter /Kind (auch andere Konstellationen sind denkbar) prägen das Kind von Beginn an. Die Angebote, die das Kind erfährt, werden allmählich verinnerlicht, so dass man davon ausgehen kann, dass jedes Individuum eigentlich selbst schon eine kleine Gruppe ist. Schon sehr früh entwickelt das Kind ein Wir - Gefühl in Bezug zur Familie im Säuglingsalter (Fremdeln), später dann in seinen kleinen Gruppen wie Kindergarten, Schule, Fußball. Es ist hier gewiss hilfreich, sich die Entwicklung von Beziehungen aus entwicklungspsychologischer Sicht einmal anzuschauen. Zunächst ist das Gehirn des menschlichen Säuglings unreif und wie Fachleute sagen eine "physiologische" Frühgeburt. Es ist existenziell auf seine erste Bezugspersonen angewiesen um sich zu entwickeln. Diese Bezugspersonen, meistens Mutter und Vater, gestalten die Beziehungen von Beginn an mit Spiel, Rhythmus, Gestik, Mimik, Musik, Kommunikation, Bewegung und Sprache. Aus der Vielfalt dieser Informationen nimmt das Gehirn des Säuglings erste Erfahrungen in seinen Speicher auf - zum Beispiel: "Werde ich gut verstanden?" Es entwickelt ein zartes Selbstgefühl. In diesem frühen zeitlichen Fenster entsteht also das Urvertrauen. Im Alter von sechs Monaten, in dem das Kind klar sehen kann, entwickelt es eine Idee, dass die eigene innere Welt (Hunger) mit der äußeren Welt übereinstimmen müsste (Mama hat auch Hunger). Hier ist der eigene innere Zustand noch nicht von dem des anderen getrennt. Dass dies nicht stimmt, erlernen sie dann allmählich in der zweiten Hälfe des ersten Lebensjahres, indem sie ihre eigenen affektiven, gefühlten Zustände von denen der Eltern unterscheiden können.

 

Beispiel: "Ich bin wütend, aber Mama bleibt irgendwie weiterhin freundlich" oder "Ich habe Hunger, aber Papa nicht." In dieser Phase entsteht auch die Fähigkeit zu spielen, Rollen zu übernehmen und schon mal das ein oder andere lustvolle Spiel zwischen Kind und Mitspielern zu entwickeln. Der eigentliche sogenannte „reflektierende Modus“ ist erreicht, wenn das Kind über die Zustände des anderen Menschen nachdenken kann, diese also reflektieren kann. 

 

Beispiel: A fällt hin, schlägt sich das Knie auf und weint bitterlich. B sieht das holt ein Pflaster und tröstet A, weil es weiß, wie es sich anfühlt, ohne jetzt selbst mit weinen zu müssen. Alle Menschen, Kinder wie Erwachsene, kennen Zustände, in denen wir andere Menschen in ihrem Tun und ihrem Verhalten nicht verstehen können, und uns deshalb durch dies ärgern lassen oder uns von ihnen fernhalten. In der Gruppenpsychotherapie wird diese Verständnis eingeübt, warum tun wir selbst „dies oder das“, warum machen andere „dies oder das“. 

 

Mit der Einübung des Verständnisses für andere und für mich selbst verändern sich die krankheitswertigen Symptome.